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Ehemalige in der Politik

Wie und wo Ihr Euch in der Politik engagiert


Was motiviert Menschen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen? Wie treffen sie komplexe Entscheidungen und gehen mit dem Druck ein, der damit einhergeht? Viele Alumnae und Alumni der Law School engagieren sich in der Politikwelt, haben sich diesen Fragen gestellt und geben uns einen Einblick in ihre Arbeit.

 

Die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte zu durchdringen, unterschiedliche Interessen abzuwägen und argumentativ klar zu sein, ist nicht nur für das juristische Arbeiten zentral, sondern auch für den politischen Diskurs. Heute setzen unsere Ehemaligen diese Fähigkeiten ein, um politische Prozesse zu gestalten, gesellschaftliche Herausforderungen zu analysieren und Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen.

 

Hier erfahrt Ihr, was sie antreibt, wie die Zeit des Jurastudiums sie geprägt und vorbereitet hat und wie sie persönlich mit dem Druck weitreichender Entscheidungen umgehen.


Till Unger (Jahrgang 2017)

Kreisabgeordneter im Kreis Plön

CDU

Gab es einen Auslöser für Dein politisches Engagement?

 

Auslöser war der Anschluss unserer Schule ans Glasfasernetz, was die CDU wollte, die Grünen und die SPD aber damals nicht.

 

Gab es Momente, in denen Du politische Verantwortung als besonders belastend empfunden hast?

 

Mit den Folgen der Entscheidungen müssen andere häufig leben. Ich selber spüre sie weniger. Zum Beispiel, wenn es um Investitionen geht, die wir nicht alle gleichzeitig ausführen können. Einigen muss man dann sagen: »Wir sehen das Problem, haben aber gerade kein Geld. Ihr seid auf der Prioritätenliste später dran, anderen geht es noch schlechter.« Das belastet schon, wenn man weiß, dass auch die dortigen Zustände – etwa in einer Schule – alles andere als gut sind.

 

Welche politischen Themen treiben Dich besonders an?

 

Generationengerechtigkeit im Hinblick auf Haushaltspolitik, Bildungspolitik und Digitalisierung sind meine Schwerpunkte. Mich treibt es an, den Kreis so lebenswert zu halten und, wo möglich, die Lebensqualität noch zu verbessern.

 

Wie verändert sich der Blick auf Politik, wenn man selbst die Verantwortung übernimmt?

 

Der Blick auf Politik ändert sich fundamental. Kompromisse sind nötig, das lernt man sehr schnell. Man merkt aber auch, dass es nicht immer auf das beste Argument ankommt, ob ein Antrag beschlossen oder abgelehnt wird.

 

Inwiefern hilft Dir Deine juristische Denkweise bei politischen Entscheidungsprozessen?

 

Die juristische Denkweise hilft total. Vielen fällt es schwer, strukturiert an Probleme heranzutreten. Auch ist es sehr hilfreich, bei Gesetzestexten nicht die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, sondern das »Juristendeutsch« verstehen zu können. In der Fraktion ist man automatisch hoch angesehen. Häufig soll ich Anträge für andere formulieren, weil es mir viel leichter fällt.

 

Wie gehst Du mit Zielkonflikten um?

 

Das ist manchmal gar nicht leicht. Gerade wenn man sich persönlich sehr für etwas einsetzt und die Mehrheitsmeinung andere Prioritäten setzt. Eine Fraktion funktioniert aber nur, wenn die innenfraktionelle Demokratie beachtet wird. Wenn man mal nicht auf Anhieb eine Mehrheit in den eigenen Reihen hat, muss man Gespräche führen und versuchen, zu überzeugen. Meistens findet man dann einen Kompromiss.

 

Welche Bedeutung hat das Thema »Verantwortung« in politischen Debatten aus Deiner Sicht?

 

Ich nehme es im Kreistag schon so wahr, dass sich viele der Verantwortung bewusst sind. Verantwortung bedeutet für mich, auch mal unangenehme Entscheidungen zu treffen, weil zum Beispiel Einsparungen für den Haushalt notwendig sind. Das gefällt dann nicht allen. Es gibt auch diejenigen, die ihren Job oder ihre Aufgabe deswegen verlieren.

 

Was würdest Du jungen Jurist:innen raten, die politisch aktiv werden wollen?

 

Meine Erfahrungen in der Kommunalpolitik sind sehr gut. Das mag daran liegen, dass auf dem Land in Schleswig-Holstein das Miteinander auch noch größer ist als vielleicht in den Bezirken in Hamburg. Man lernt demokratische Abläufe kennen, trainiert automatisch seine Rhetorik, lernt, wie man Mehrheiten für seine Ideen gewinnt. Das alles hilft einem nicht nur in der Politik, sondern später im ganzen Leben. Und es macht auch einfach Spaß, denn vor Ort kann man noch am meisten bewegen.

 

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dein politisches Engagement?

 

Ausnahmslos positiv. Klar bedeutet das auch, dass man in Wellen viele Abendtermine für Sitzungen hat. Aber gleichzeitig ist man viel vernetzt, kann bei vielen Themen mitreden. Und dem ein oder anderen habe ich so schon mit seinen Problemen helfen können, indem man Kontakte herstellt. Man muss aber damit leben können, wenn jemand sagt: »Da kommt der Politiker.« Mich stört das aber nicht!

 

Welche Phase hat Dich in Deinem politischen Verantwortungsverständnis besonders geprägt?

 

Die Zeit in der Jungen Union hat mich sehr geprägt. Viele spannende Debatten, neue Freunde, ein Blick hinter die Kulissen der Politik. Das hat mich begeistert!

 

Was ist das Mutigste, das Du im Rahmen Deines politischen Engagements entschieden oder vertreten hast?

 

Für unangenehme Sparvorschläge zu stimmen, die zwar notwendig waren, aber sehr wehgetan haben. Es ging dabei um die Sanierung meiner alten Schule, die mir natürlich sehr am Herzen lag. Aber wir mussten den Finanzrahmen für Sanierungen deutlich kürzen, auch wenn viele meiner ehemaligen Lehrer sich das Gegenteil gewünscht hätten.

 

Welche Rolle spielt Integrität in der Ausübung politischer Verantwortung für Dich?

 

Das ist sehr wichtig. Die Leute merken schnell, ob man nur jedem nach dem Mund redet oder ob man vertrauenswürdig ist. Im Laufe der Jahre habe ich schon gemerkt, dass das Sprichwort »Feind, Todfeind, Parteifreund« nicht immer ganz abwegig ist. In der Politik sind eben nicht immer alle ehrlich. Umso wichtiger, dass man sich das selbst beibehält.

 

Was wünschst Du Dir für die politische Kultur in Deutschland?

 

Mehr junge Menschen in den Kommunalparlamenten. Dann geht es bei Themen wie Schulsanierungen, Digitalisierung und Co. auch schneller! Der Durchschnitt bei uns im Kreistag ist sicherlich Ü50. Die haben alle bereits Probleme damit, einen WhatsApp-Status richtig einzustellen. Da braucht man mit weitreichender Digitalisierung nicht anzufangen. Umso wichtiger, dass junge Leute sich einbringen, damit auch diese Lebensrealität in Entscheidungen vorkommt.


Corinne Möller (Jahrgang 2007)

Sprecherin des Thinktanks »Wirtschaft und Finanzen«, lokales Engagement im Kreisverein

Bündnis 90/Die Grünen

Gab es einen Auslöser für Dein politisches Engagement?

 

Ich engagiere mich seit circa vier Jahren, als ich merkte, dass nicht mehr unsere Eltern Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen müssen, sondern wir selbst. Und dass wir in Deutschland in einer »Erbengesellschaft« leben, in der deutlich mehr Vermögen vererbt als durch eigene Leistung erwirtschaftet wird.

 

Wem gegenüber fühlst Du Dich verantwortlich?

 

Besonders verantwortlich fühle ich mich gegenüber meinen beiden kleinen Söhnen. Aber auch jedem Mitmenschen, der morgens aufsteht, zur Arbeit, Care-Arbeit oder zum Ehrenamt geht und damit im Alltag Verantwortung übernimmt. Für alle, die das tun, müssen wir als Politik Verantwortung dafür übernehmen, dass sie ein gutes und gerechtes Leben haben. Und natürlich gegenüber dem Klima, weil ich früher beruflich viel zu viel geflogen bin, bevor es mir so richtig klar wurde.

 

Welche politischen Themen oder Werte treiben Dich besonders an?

 

Verteilungsgerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit, Ermöglichung von Vermögensaufbau bzw. einem finanziell sicheren Leben für Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.

 

Wie verändert sich der Blick auf Politik, wenn man selbst Verantwortung übernimmt?

 

Ich verstehe, wie schwierig Kompromisse zu erreichen und althergebrachte »Lösungen« zu ändern sind. Ich rege mich richtig auf, wenn Verwandte oder Bekannte auf die Politik schimpfen und erklären, mit welchen vermeintlich einfachen Lösungen sie das alles verbessern könnten – sich aber selber nicht politisch engagieren.

 

Wie beeinflusst Deine juristische Ausbildung Deine politische Arbeit?

 

Sehr! Durch den Jura-Background versteht man viele systematische Zusammenhänge und Herausforderungen. Zu wissen, woher zum Beispiel die Grundrechte historisch kommen, hilft dem Verantwortungsbewusstsein. Aber: Juristisches Denken schränkt auch ein. Man neigt dazu, sich innerhalb des gegebenen Systems zu bewegen. Aber: Wenn es politisch erforderlich ist, können wir die Regeln auch ändern! Da muss man lernen, visionärer zu denken.

 

Wie gehst Du mit Zielkonflikten um?

 

Der größte Konflikt ist die Abwägung zwischen persönlicher Disziplin und Idealen: Ich bin nicht vollständig Vegetarierin, fliege selten, aber manchmal, und arbeite nicht im Bereich Klimaschutz. Und trotzdem gehe ich viele Schritte in die richtige Richtung, ohne komplett die Leichtigkeit im Leben zu verlieren. Die größte Herausforderung für politisches Engagement: Zeit! Neben Beruf und Familie echt schwer.

 

Was würdest Du jungen Jurist:innen raten, die politisch aktiv werden wollen?

 

Einfach anfangen! Keine Partei wird sich perfekt anfühlen, der größte gemeinsame Nenner reicht und jede demokratische Partei ist eine gute Wahl. Und abschichten: Was sind meine Stärken und in welchem Bereich kann ich einen Unterschied machen? Alle Law Schooler anrufen aus einer Partei, für die Ihr Euch interessiert, und nach Tipps fragen. Danke Emily, Juliana, Lena, Justus und vielen mehr.

 

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dein politisches Engagement?

 

Grundsätzlich sehr positiv. Nach mehr als 15 Minuten Redeschwall meinerseits zum Steuersystem dann gern auch mal mit Augenrollen. Ist fair!

 

Wer hat Dich in Deinem politischen Verantwortungsverständnis besonders geprägt?

 

Julia Friedrichs – schreibt top Bücher.

 

Was ist das Mutigste, das Du im Rahmen Deines politischen Engagements entschieden oder vertreten hast?

 

Gegen meine eigenen Privilegien zu agieren.

 

Welche Rolle spielt Integrität in der Ausübung politischer Verantwortung für Dich?

 

Eine riesige Rolle, wie in jedem Lebensbereich. Aber man muss nicht in allem perfekt sein! Es ist okay, wenn ich im Alltag nicht 100 % klimafreundlich leben kann – solange ich mir Mühe gebe und mich für politische Hebel einsetze.

 

Was wünschst Du Dir für die politische Kultur in Deutschland?

 

Dass wir es richtig feiern, wenn gerade Quereinsteiger sich politisch engagieren, statt direkt in Vorträge zu verfallen, was die Politik alles falsch macht.


Paul Strothmann (Jahrgang 2018)

Mitglied der Bezirksversammlung Wandsbek

SPD

Wie kam es dazu, dass Du dich politisch engagierst?

 

Politisch (interessiert) war ich schon immer. Über die Geflüchtetenhilfe bei uns im Stadtteil bin ich 2017 zur SPD und den Jusos gestoßen.

 

Was bedeutet »Verantwortung« für Dich im politischen Kontext?

 

Die Frage nach Verantwortung ist eine gute, bei der ich mich allerdings außerstande sehe, sie hier nonchalant in ein paar Zeilen zu beantworten. Verantwortung fällt meines Erachtens aber insbesondere dann auf, wenn sie fehlt, oder nicht?

 

Gab es Momente, in denen Du politische Verantwortung als besonders belastend empfunden hast?

 

Zu einer persönlichen Anekdote muss ich etwas hinleiten: In der Bezirkspolitik sind Bebauungspläne oft die umstrittensten Projekte. (Wobei ich die Beziehung der Deutschen zu ihrem Auto nicht unterschätzen möchte: Verkehrsplanung kann auch einen Krawall auslösen …) Schließlich setzen wir mit einem B-Plan den Menschen wortwörtlich etwas vor die eigene Haustür. In meinem Wahlkreis hat im letzten Jahr ein größeres Bebauungsplanverfahren für Ärgernis gesorgt. Um die Leute abzuholen, war ich am frühen Samstagmorgen für einen Infostand vor Ort – an zwei Tagen kamen rund 100 Anwohner:innen. Das war für mich als »frisch Gewählten« schon sehr eindrücklich. Die allermeisten Entscheidungen auf lokalpolitischer Ebene sind aber weniger aufgeladen.

 

Welches politische Thema treibt Dich besonders an?

 

Die Wohnungslage in Hamburg. Oberstes Ziel der Sozialdemokratie ist jeher, dass Wohnraum in unserer Stadt bezahlbar bleibt – niemand soll aus der Stadt »gedrängt« werden. Die wirtschaftlichen Umstände erschweren dies zunehmend, aber im Vergleich zu anderen Großstädten sind wir in Hamburg gut dran. Das liegt einerseits an den Genossenschaften und der SAGA, die für bezahlbare Bestandsmieten sorgen. Andererseits bauen wir trotz schwieriger Marktlage noch recht viel – insbesondere bei uns im größten Hamburger Bezirk. Dass zunehmend vor allem große, profitorientierte Wohnungsbaugesellschaften bauen, wirkt sich aber natürlich auf neue Mieten aus. Was ich mir vor der Legislatur niemals hätte erträumen lassen: Die Reichweite (und die damit einhergehende politische Relevanz) von Lokalzeitungen.

 

Wie beeinflusst Deine juristische Ausbildung Deine politische Arbeit?

 

Bei besagtem Bebauungsplanverfahren waren Kenntnisse im Baurecht sehr hilfreich. Von daher: Juristische Kenntnisse sind definitiv nützlich.

 

Lässt die juristische Ausbildung genug Raum für politisches Denken oder Verantwortungsbewusstsein?

 

Gute Frage. Unsere Ausbildung würde unter dem Gesichtspunkt »politischen Verantwortungsbewusstseins« sicherlich davon profitieren, wenn die Studierenden nicht so sehr auf die Examensprüfungen gepolt würden.

 

Wie gehst Du mit Zielkonflikten um?

 

Das ist tatsächlich manchmal nicht ganz einfach, auch wenn die »aufgeladenen« Entscheidungen auf kommunaler Ebene Seltenheitswert haben. Idealerweise spricht man persönliche Bedenken frühzeitig an, um noch Einfluss auf Entscheidungen nehmen zu können.

 

Welche Bedeutung hat das Thema »Verantwortung« in politischen Debatten aus Deiner Sicht?

 

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich bisher viele sehr gewissenhaft arbeitende Menschen in der Politik kennengelernt – aller inhaltlichen Differenzen zum Trotz.

 

Was würdest Du jungen Jurist:innen raten, die politisch aktiv werden wollen?

 

(Kommunal-)Politik ist zeitintensiv und findet fast ausschließlich abends statt. Das muss man einkalkulieren.

 

Wer oder was hat Dich in Deinem politischen Verantwortungsverständnis besonders geprägt?

 

Wen ich nicht nur sehr sympathisch, sondern auch mindestens genauso beeindruckend finde: Bernie Sanders. In meinen Augen fällt, wie gesagt, vor allem fehlende politische Verantwortung auf. In diesem Kontext kommt mir in jüngerer Vergangenheit die – durch die abtretende Regierung mindestens gebilligte – Stürmung des US-Parlaments am 6. Januar 2021 in Washington in den Sinn. In der Kommunalpolitik geht es (zum Glück) weitaus weniger »spektakulär« zu, denn es geht um die Dinge vor Ort. »Mutige« Entscheidungen werden woanders getroffen.

 

Welche Rolle spielt Integrität in der Ausübung politischer Verantwortung für Dich?

 

Eine Frage, die man auch gut als Studium Generale-Essay stellen könnte. Deshalb kurz und schmerzlos: eine Große!

 

Was wünschst Du Dir für die politische Kultur in Deutschland?

 

Insbesondere bei bundespolitischen Themen würde ich mir manchmal wünschen, dass wir im gesellschaftlichen Diskurs nicht »das große Ganze« aus den Augen verlieren. Unsere Gesellschaft steht vor so vielen Herausforderungen: demographischer Wandel, Klimaschutz, Angriffskrieg in Europa etc. Konkret: Wenn sich die mediale Debatte dann aber wochenlang um eine verschwindend geringe Zahl an sogenannten »Totalverweiger:innen« im Bürgergeld dreht – verlieren wir uns dann nicht in politischen Strohfeuern?


Ria Schröder (Jahrgang 2010)

Mitglied im Bundesvorstand, stellvertretende Landesvorsitzende in Hamburg, ehemalige Bundestagsabgeordnete und bundespolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion

FDP

Gab es einen Auslöser für Dein politisches Engagement?

 

Als die FDP 2013 den Einzug in den Bundestag verpasst hat, war das für mich ein Schock. Klar, ich war kein großer Fan von Rainer Brüderle, aber ich war überzeugt, dass es eine liberale Stimme im Parlament braucht. Vor allem das Aufstiegsversprechen und der Glaube an das Individuum haben mich als Bildungsaufsteigerin überzeugt.

 

Was bedeutet »Verantwortung« für Dich im politischen Kontext?

 

Freiheit und Verantwortung sind zwei Seiten einer Medaille. Das hat Hans-Dietrich Genscher bei einer Veranstaltung gesagt, die ich als Schülerin besucht habe, und das ist für mich bis heute zentral. Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern für andere zu übernehmen, ist der Kern von Politik. Ich fühle mich den Menschen in Deutschland und in Hamburg gegenüber verantwortlich – als junge Politikerin vor allem jungen Menschen und denen, die ihre Stimme noch nicht wahrnehmen können: Kindern und den zukünftigen Generationen.

 

Wann hast Du politische Verantwortung als belastend empfunden?

 

Im Februar 2025 stand im Bundestag ein Gesetzentwurf der Union über eine stärkere Regulierung von Migration an. Die rot-grüne Rest-Ampel hatte keine eigene Mehrheit und mein Parteivorsitzender hatte angekündigt, dafür zu stimmen. Auch die AfD wollte zustimmen. Ich fand den Gesetzesentwurf inhaltlich richtig (wie auch viele Menschen in Deutschland und unsere Wählerinnen und Wähler, wie mir in den nächsten Wochen stark gespiegelt wurde) und fühlte mich auch gegenüber meiner Partei und Fraktion verpflichtet – und bin der Abstimmung doch ferngeblieben, weil ich nicht dazu beitragen wollte, dass ein Gesetz mit notwendigen Stimmen einer völkisch-nationalistischen, rechtsextremen Partei beschlossen wird. Ich bin überzeugt, dass Mehrheiten für notwendige Gesetze in der Mitte der Demokratie ohne die Extreme erreicht werden können und müssen. Und am Ende war für mich entscheidend, dass ich morgens noch in den Spiegel schauen kann.

 

Welche politischen Themen und Werte treiben Dich besonders an?

 

Freiheit natürlich, Selbstbestimmung, Generationengerechtigkeit und dass jeder die Chance erhält, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Weil Bildung dazu der Schlüssel ist, ist das mein Herzensthema. Radikale Veränderungen sind selten, alles ist komplex, geht langsam voran und in kleinen Schritten. Dazu liegt die Aufmerksamkeit zu oft nicht auf den wirklich wichtigen Themen. Es geht darum, trotzdem das Machbare zu versuchen und Kompromisse zu finden, damit das Leben der Menschen ein kleines bisschen besser wird.

 

Wie sehr beeinflusst Deine juristische Ausbildung Deine politische Arbeit?

 

Natürlich hilft es immens bei der Änderung von Gesetzen, aber manchmal kann juristisches Denken auch den Blick auf das politisch Denkbare verstellen, weil man sich zu schnell im Klein-Klein verliert. Jura und Politik sind nicht ohne einander denkbar. Ich habe gesellschaftliches Engagement und Verantwortungsbewusstsein an der Bucerius immer als wesentlichen Bestandteil der Ausbildung empfunden – genauso muss es sein.

 

Was ist das Mutigste, das du entschieden oder vertreten hast?

 

Ich glaube, dass man in Deutschland relativ wenig Mut für die meisten politischen Positionen braucht, wenn ich dagegen an Oppositionelle in Russland, die Frauen im Iran oder die Demokratiebewegung in Hongkong denke. Aber man bekommt immer sehr viele erboste Zuschriften, wenn man sich in Deutschland für ein generationengerechtes Rentensystem einsetzt …


Martin Plum (Jahrgang 2002)

Bundestagsabgeordneter

CDU

Wie kam es dazu, dass Du Dich politisch engagierst?

 

Ein Schlüsselerlebnis war für mich die Bundestagswahl 1998. Zwei Tage später bin ich mit drei Mitschülern in die Junge Union eingetreten. Zuvor hatten wir in unserem Sozialwissenschaften-Kurs intensiv über Politik und die Wahl diskutiert. So begann mit 16 Jahren mein politisches Engagement. Seit 2021 bin ich direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Viersen. In der aktuellen Wahlperiode bin ich Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz und Mitglied im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung. Bis heute treibt mich an, Verantwortung für die Gesellschaft und das Land zu übernehmen, die einem selbst so viele Chancen im Leben eröffnet haben.

 

Was bedeutet »Verantwortung« für Dich im politischen Kontext?

 

Verantwortung heißt für mich allen voran, sich und sein Handeln in den Dienst anderer zu stellen – für Gemeinschaft, Gemeinsinn und Gemeinwohl einzutreten. Als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter trage ich diese Verantwortung ebenso gegenüber meinen Wählern und meinem Wahlkreis wie – als »Vertreter des ganzen Volkes« – gegenüber allen Bürgern und unserem Land. Als gläubiger Christ und überzeugter Christdemokrat bin ich zudem sicher, diese Verantwortung auch vor Gott zu tragen. Diese Verantwortung ist immer wieder auch belastend. Politik ist »die Kunst des Machbaren«. Sie zwingt zu Kompromissen. Sie führt auch zu Enttäuschungen und manchmal auch an Grenzen. Wichtig ist, sich dessen bewusst zu sein und darüber offen zu sprechen.

 

Welche politischen Themen oder Werte treiben Dich besonders an?

 

Mich treiben vor allem meine drei Kinder an. Ich möchte, dass auch sie in einem freien, intakten und weltoffenen Land leben können, wenn sie einmal in meinem Alter sind. Grundsätze und Werte, die mir im politischen Alltag immer wieder Orientierung geben, sind das christliche Menschenbild, Freiheit und Demokratie, Nachhaltigkeit und die soziale Marktwirtschaft. Wer selbst politische Verantwortung übernimmt, weiß, wie wichtig ein solcher Kompass ist. Er weiß aber auch, wie schwer es dennoch ist, sich nicht vom eigenen Weg abbringen zu lassen, und dass manchmal auch ein Umweg notwendig ist, um sein Ziel zu erreichen.

 

Wie beeinflusst Deine juristische Ausbildung Deine politische Arbeit?

 

Juristisches Denken prägt bis heute meine politische Arbeit. Sachverhalte und Rechtsfragen durchdringen, prüfen und lösen – dieser Dreiklang spiegelt sich in meinem Politikverständnis wider: zuhören, nachdenken, machen! Dennoch ist politisches Denken oder Verantwortungsbewusstsein für mich keine Aufgabe juristischer Ausbildung. Sie ist Aufgabe eines jeden Einzelnen. In einer Demokratie ist jeder als mündiger Bürger dazu aufgefordert, politisch zu denken und Verantwortung zu übernehmen.

 

Wie gehst Du mit Zielkonflikten um?

 

Zielkonflikte lassen sich in der Politik – genauso wie im Beruf – nicht vermeiden. Wichtig ist, damit offen umzugehen. Das verlangt in einem ersten Schritt von einem selbst, den Konflikt zu erkennen, ihn einzugestehen und einen für sich zufriedenstellenden Umgang damit zu finden, auch im Gespräch mit anderen. In einem zweiten Schritt erfordert es, den Konflikt nach außen transparent zu machen und den persönlichen Umgang damit zu erklären. Das führt im besten Fall zu Verständnis, nicht notwendig zu Zustimmung. Gerade in dem zweiten Schritt liegt eine besondere Herausforderung politischer Verantwortung. Denn sie unterscheidet sich von beruflicher Verantwortung vor allem durch das große und beinahe ständige öffentliche Interesse.

 

Welche Bedeutung hat das Thema »Verantwortung« in politischen Debatten aus Deiner Sicht?

 

»Verantwortung« ist nicht bloß ein Thema für politische Debatten. Es ist ein Thema, das uns alle angeht. Wie wir in Zukunft zusammenleben, hängt wesentlich von unserer Bereitschaft ab, Verantwortung zu übernehmen. Demokratie und Zusammenhalt erfordern unser aller Engagement. Doch leider erleben wir, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich politisch oder gesellschaftlich zu engagieren. Das sollte uns allen nicht nur Sorgen machen, sondern auch Ansporn sein, uns selbst einzubringen – in der Politik, im Verein, im Ehrenamt oder an anderer Stelle.

 

Was würdest Du jungen Jurist:innen raten, die politisch aktiv werden wollen?

 

Politisches Engagement war für mich immer eine Bereicherung. Ich habe dadurch vieles gelernt, das mir Schule, Studium und Beruf so nicht vermittelt hätten – Veranstaltungen organisieren, Position beziehen, durch Rede überzeugen, Vertrauen anderer gewinnen. Und ich habe vor allem unzählige Menschen kennengelernt, denen ich sonst nie begegnet wäre und die meinen Horizont unheimlich erweitert haben. Deswegen ist mein Rat schlichtweg: »Einfach mal machen!« Wer dann – trotz mancher quälenden Sitzung – die Freude an Politik beibehält, der sollte sich vor allem ein Leben außerhalb der Politik aufbauen. Das klingt im ersten Moment paradox. Doch wer langfristig politisch Verantwortung übernehmen möchte, braucht ein festes Fundament, das ihm ermöglicht, unabhängig von Politik zu sein und zu bleiben.

 

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dein politisches Engagement?

 

Einerseits gehört politisches Engagement bereits seit 28 Jahren zu mir. Andererseits ist Politik als »Hauptberuf« nochmal etwas völlig anderes. Sie ist eine ständige Herausforderung für Partnerschaft, Familie und Freundschaften. Diese Herausforderung bewältigt man nicht ohne Hadern. Aber sie lässt sich auch nur gemeinsam meistern. Politisches Engagement braucht ein festes persönliches Fundament. Für mich bilden das allen voran meine Familie und meine zehnjährige Berufserfahrung als Richter.

 

Wer oder was hat Dich in Deinem politischen Verantwortungsverständnis besonders geprägt?

 

Mein Verständnis von »Verantwortung« haben ohne Zweifel meine Eltern und mein christlicher Glaube geprägt. Als Kind des Jahres 1982 sind für mich zudem die Wende, die Wiedervereinigung und die Person Helmut Kohl prägend.

 

Was ist das Mutigste, das Du im Rahmen Deines politischen Engagements entschieden oder vertreten hast?

 

Was »das Mutigste« ist, das ich im Rahmen meines politischen Engagements entschieden oder vertreten habe, müssen andere beurteilen. Ich maße mir diese Einschätzung nicht an. »Das Schwierigste« war für mich ohne Frage die Abstimmung über das sogenannte Zustrombegrenzungsgesetz am 31. Januar 2025. Hier konnte ich persönliche Überzeugungen, Fraktions- und Parteidisziplin sowie öffentliche Erwartungen nicht in Einklang miteinander bringen.

 

Welche Rolle spielt Integrität in der Ausübung politischer Verantwortung für Dich?

 

»Ich selbst zu bleiben« ist für mich ein wichtiger Anspruch an mich selbst. Die Wahl in den Deutschen Bundestag verändert vieles – den Alltag, den Beruf, das öffentliche Leben. Ich habe mir fest vorgenommen: Du bleibst, wer Du bist. Du bleibst Dir treu. Du verbiegst Dich nicht. Das ist nicht immer einfach und manchmal gelingt es auch nicht zu 100 %. Politik ist »Teamspiel«, das von einem auch immer wieder Kompromisse erfordert. Ich bin aber überzeugt: Authentizität und Integrität sind Grundlage für das Vertrauen anderer und auch für das Vertrauen in sich selbst.

 

Was wünschst Du Dir für die politische Kultur in Deutschland?

 

Eine andere Fehlerkultur. Menschen machen Fehler – auch Politiker. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Im besten Fall lernen wir daraus für die Zukunft. Das erfordert von einem selbst einen offenen und selbstkritischen Umgang mit eigenen Fehlern; von anderen Respekt und Verständnis im Umgang mit fremden Fehlern. Eigene Fehler schönreden und mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Fehler anderer zeigen, das sind verpasste Chancen, es in Zukunft besser zu machen.


Alexander Mohrenberg (Jahrgang 2013)

Landtagsabgeordneter in der Hamburgischen Bürgerschaft, stellvertretender Vorsitzender Hamburg

SPD

Wie kam es dazu, dass Du Dich politisch engagierst?

 

Dahin brachte mich ein Schlüsselerlebnis in der 8. Klasse: die Wahl eines Praktikumsplatzes für das Folgejahr. Als einem der wenigen Arbeiterkinder auf einem humanistischen Gymnasium wurde mir plötzlich vor Augen geführt, welch großen Unterschied das Elternhaus und die soziale Herkunft bei der Ermöglichung von Praktikumsplätzen spielten – und wie wenig es um schulische Leistung ging. Diese Ungerechtigkeit politisierte mich und weckte mein Interesse, mich außerhalb der Schule gesellschaftlich zu engagieren.

 

Gab es Momente, in denen Du politische Verantwortung als besonders belastend empfunden hast?

 

Als Mitglied einer regierungstragenden Fraktion liegt stets eine enorme Tragweite in den Entscheidungen. Das sorgt dauerhaft für Druck – etwa während der Coronapandemie, die den Beginn meiner ersten Legislaturperiode prägte. Zugleich wurde ich in meinem Leben stets über individuell erhaltende Personenstimmen gewählt – als Bezirksabgeordneter 2014 und als Bürgerschaftsabgeordneter 2020 und 2025. Das gibt mir eine enorme Zuversicht und zugleich eine zusätzliche Verantwortung, nicht nur gegenüber der eigenen Partei und dem Volk im Allgemeinen, sondern auch ganz konkret gegenüber meinen Wählern. Besonders belastend war diese Verantwortung jedoch 2016, als ich als Bergedorfer Bezirksabgeordneter und baupolitischer Sprecher für die Genehmigung von Geflüchtetenunterbringungen zuständig war. Was als harmloses Engagement neben dem Studium begann, war plötzlich eine Ausschusssitzung unter Polizeischutz aufgrund akuter Bedrohungslage. Da kam man schon ins Zweifeln, warum man sich solchen zermürbenden Situationen aussetzt und nicht einfach ein paar Stunden mehr als WissMit arbeitet. Aber gerade in solchen Situationen merkt man, was für einen positiven Unterschied das eigene politische Engagement für das Leben vieler Menschen machen kann, die nicht selbst mitwirken können. Das gibt Energie.

 

Wie beeinflusst Deine juristische Ausbildung Deine politische Arbeit?

 

Das juristische Denken hilft mir sehr, umfassende und mehrdimensionale Themen abzuschichten, zu ordnen und dann abgestuft zu lösen. Die klassische ZJL-Herangehensweise hilft mir als klimapolitischer Sprecher meiner Fraktion etwa, dieses ausufernde Thema lösungsorientiert zu bearbeiten und zu kommunizieren. Die größte Herausforderung nach der juristischen Ausbildung ist jedoch, nicht in das reine Herleiten und Erklären von Verwaltungsprozessen zu verfallen – sondern den eigenen politischen Kopf zu nutzen, diese Prozesse zu hinterfragen und nach bürgerfreundlicheren Lösungen zu suchen.

 

Welche Bedeutung hat das Thema »Verantwortung« in politischen Debatten aus Deiner Sicht?

 

Jedem fällt bei politischen Themen schnell ein, wer für was alles Verantwortung zu tragen hat – zu selten wird der eigene Verantwortungsbereich betrachtet. Politik kann individuelles Handeln nicht ersetzen, sondern muss den Rahmen für ein gutes Leben schaffen. Wer für sich selbst keine Verantwortung übernimmt, handelt gegenüber allen verantwortungslos.

 

Was würdest Du jungen Jurist:innen raten, die politisch aktiv werden wollen?

 

Zum Ende des Referendariats erhält man nicht nur ein Staatsexamen, sondern auch eine Unabhängigkeitsgarantie für das gesamte politische Leben. Darüber hinaus lernt man an der BLS das Skillset, um formell gut Politik machen zu können. Möchte man jedoch auch materiell gute Politik machen, ist es förderlich, Erfahrungen außerhalb der juristischen Welt zu sammeln.

 

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dein politisches Engagement?

 

Mein größtes persönliches Glück ist es, meine Ehefrau bei den Jusos kennengelernt zu haben – und dadurch privat viel Verständnis für atypische Arbeitszeiten zu erhalten.

 

Was wünschst Du Dir für die politische Kultur in Deutschland?

 

Wie viel besser könnte unser gemeinschaftliches Leben aussehen, wenn nicht nur Politiker mehr Verantwortung für ihr Handeln übernähmen, sondern auch jeder Einzelne von uns ein Stück mehr Verantwortung für sich selbst und seine Mitmenschen?


Lena Zagst (Jahrgang 2009)

Parlamentarische Geschäftsführerin, Fachsprecherin für Rechtspolitik und Flucht, Wahlkreisabgeordnete für Hamburg-Mitte

Bündnis 90/Die Grünen

Wie kam es dazu, dass Du Dich politisch engagierst?

 

Bei den GRÜNEN bin ich im Herbst 2017 eingetreten, nachdem die AfD erstmals in den Bundestag eingezogen ist. Das hat bei mir das Bedürfnis geweckt, politisch aktiver zu werden. Ein Amt habe ich erstmals Anfang 2019 übernommen, als ich Beisitzerin im Kreisvorstand wurde. Im selben Jahr wurde ich in die Bezirksversammlung gewählt und dort direkt stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Im Februar 2020 ging es für mich dann schon in die Bürgerschaft. Mich haben bei jedem Schritt die Herausforderung gereizt und die Möglichkeiten, direkt etwas bewegen und entscheiden zu können. Ich bin sehr dankbar, dass ich bei den GRÜNEN so schnell die Möglichkeit bekommen habe, Verantwortung zu übernehmen.

 

Was bedeutet »Verantwortung« für Dich im politischen Kontext?

 

Verantwortung bedeutet für mich das Bemühen um die besten Entscheidungen in schwierigen Situationen, in denen unterschiedliche legitime Interessen eine Rolle spielen – und bereit zu sein, das Risiko einer falschen Entscheidung einzugehen, unbequem zu sein und negative Reaktionen aushalten zu können.

 

Welche politischen Themen oder Werte treiben Dich besonders an? Wie verändert sich der Blick auf Politik, wenn man selbst Verantwortung übernimmt?

 

Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung sind sicherlich meine leitenden Werte. Für mich hat sich durch die politische Verantwortung auf jeden Fall die Erkenntnis durchgesetzt, wie schwierig es oft ist, zu wissen, was die richtige Entscheidung ist. Geht man den Kompromiss ein oder bleibt man noch etwas härter? Gerade GRÜNE werden oft für ihr »Umfallen« kritisiert. In der Realität muss man sich aber oft entscheiden zwischen »ein bisschen was erreichen« oder »gar nichts erreichen« – und nicht »ein bisschen was erreichen« und »alles erreichen«. Das hat bei mir auf jeden Fall zu viel mehr Verständnis für die schwierigen Entscheidungen vieler Politiker:innen geführt.

 

Wie beeinflusst Deine juristische Ausbildung Deine politische Arbeit?

 

Als rechtspolitische Sprecherin und parlamentarische Geschäftsführerin spielt meine juristische Ausbildung eine große Rolle für mich. So muss ich häufig parlamentsrechtliche Fragen zur Auslegung der Geschäftsordnung oder Verfassung beantworten. Auch meine Fraktionskolleg:innen kommen häufig mit juristischen Fragen auf mich zu. Neuerdings bin ich auch Fachsprecherin für Flucht, sodass ich mich aktuell in die Tiefen des Asyl- und Aufenthaltsrechts einarbeite. Als Juristin empfinde ich mein juristisches Denken häufig als hilfreich, weil ich gut in der Lage bin, mir komplexe Sachverhalte zu erschließen und mich in neue Themenfelder einzuarbeiten. An anderen Stellen ist es allerdings auch hinderlich: Wir sind sehr darauf trainiert, Risiken zu erkennen und zu vermeiden. In der Politik ist oft aber »einfach mal machen« gefragt – darin bin ich aber inzwischen auch ganz gut geworden! In der juristischen Ausbildung wünsche ich mir mehr Raum für kritische Reflexion. Recht wird von Politiker:innen gemacht und ist daher sehr oft auch politisch geprägt (je nach Rechtsgebiet), genauso wie die Rechtsanwendung. Für die Reflexion des Politischen im Recht gibt es im Regelfall viel zu wenig Platz.

 

Wie gehst Du mit Zielkonflikten um?

 

Das Selbstbewusstsein, frei gewählte Abgeordnete zu sein, die nur ihrem Gewissen verpflichtet ist, halte ich grundsätzlich für sehr wichtig. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ich mein Mandat nicht als Einzelperson, sondern der Aufstellung als GRÜNE-Kandidatin auf den entsprechenden Listen verdanke. Ich fühle mich daher meiner Fraktion verpflichtet, das Mandat im Sinne der GRÜNEN auszuüben. Situationen, in denen ich einen ernsthaften Gewissenskonflikt bei einer Abstimmung hatte, sind bisher nicht aufgetreten. Grundsätzlich gilt: Wenn man mit einem politischen Vorhaben ein ernsthaftes Problem hat, dann kann man in den politischen Entscheidungsprozessen in der Regel auch Veränderungen bewirken, die das Vorhaben zustimmungsfähig machen. In Einzelfällen können Abgeordnete Abstimmungen auch mal fernbleiben. Im Vergleich zu einem klassischen Beruf sind die Erwartungen aus der Öffentlichkeit und der Partei sicherlich eine besondere Herausforderung. Für mich ist es dabei wichtig, zu differenzieren, welche Erwartungen ich für berechtigt halte, und mich mit diesen auch ernsthaft auseinanderzusetzen – mich dagegen bei überzogenen und unrealistischen Erwartungen abzugrenzen. Gerade als durchsetzungsstarke Frau wird man häufig immer noch mit absurden Vorwürfen, Erwartungen und Unterstellungen konfrontiert, die man nie wird ausräumen können. Man muss für sich selbst von dem überzeugt sein, was man tut, und sich selbst treu bleiben, ohne Kritikfähigkeit zu verlieren.

 

Welche Bedeutung hat das Thema »Verantwortung« in politischen Debatten aus Deiner Sicht?

 

Wenn ich auf die Entwicklungen der Bundespolitik schaue, dann wird Verantwortung definitiv nicht genügend gelebt: Wenn kurzfristige politische Wins über die langfristigen Folgen gestellt werden, ist das verantwortungslos. Politik ist kein Sportevent, bei dem nach Punkten abgerechnet wird, wer gewinnt.

 

Was würdest Du jungen Jurist:innen raten, die politisch aktiv werden wollen?

 

Mein Rat: einfach hingehen, Fragen stellen, Leute ansprechen. Wir freuen uns immer über Neue, die Lust haben, etwas zu bewegen! Wer langfristig politisch arbeiten möchte, braucht auf jeden Fall Frustrationstoleranz. Man braucht einen langen Atem, hohe Motivation und Hartnäckigkeit.

 

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dein politisches Engagement?

 

Sehr positiv, ich habe von Anfang an aus allen Ecken nur Unterstützung bekommen. So manche:r wünscht sich aber doch gelegentlich etwas mehr Zeit fürs Private, inklusive mir.

 

Wer hat Dich in Deinem Verantwortungsverständnis besonders geprägt?

 

Vermutlich meine Mutter. Sie war früher zwar nicht politisch aktiv, aber immer engagiert im Elternbeirat und anderen Organisationen. Sie hat mir vorgelebt, dass es selbstverständlich ist, Verantwortung zu übernehmen, wenn man dazu die Möglichkeit hat, und dass man manchmal auch hartnäckig nerven muss, um etwas zu erreichen.

 

Welche Rolle spielt Integrität in der Ausübung politischer Verantwortung für Dich?

 

Integrität ist mir sehr wichtig. Für mich bedeutet das, Entscheidungen zu treffen, von denen ich selbst überzeugt bin, auch wenn andere von mir etwas anderes erwarten.

 

Was wünschst Du Dir für die politische Kultur in Deutschland?

 

Einen respektvollen Umgang miteinander, den Blick auf die langfristigen Folgen der eigenen Entscheidungen und faktenbasierte statt stimmungsbasierte Entscheidungen.


Philipp Meißner (Jahrgang 2009)

Abgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft, stellvertretender Vorsitzender in Hamburg, Vorsitzender in Eimsbüttel

CDU

Wie kam es dazu, dass Du Dich politisch engagierst?

 

Politisch interessiert war ich schon sehr früh. Als Schüler bin ich dann irgendwann zur Jungen Union gegangen, unter anderem, weil ich damals etwas gegen die Schuldenpolitik der rot-grünen Bundesregierung unternehmen wollte. Die habe ich als zutiefst ungerecht gegenüber der jungen Generation empfunden. Selbst politische Verantwortung in Form eines Mandats zu übernehmen, war allerdings nie Teil des Plans. Eigentlich wollte ich mein Studium möglichst schnell durchziehen und dann als Anwalt arbeiten. Als es 2014 die Möglichkeit gab, für die Hamburgische Bürgerschaft zu kandidieren, hatte ich daher zunächst abgesagt, mich später aber umentschieden. Das habe ich nie bereut, die Politik ist für mich zu einer Leidenschaft geworden.

 

Wann hast Du politische Verantwortung als belastend empfunden?

 

Die Abstimmungen in der Hamburgischen Bürgerschaft darüber, ob neben der Schuldenbremse im Grundgesetz auch die in der Hamburger Verfassung gelockert werden soll, sind mir persönlich sehr schwergefallen. Mehr Schulden vor den Jüngeren und den kommenden Generationen zu verantworten, ist nicht leicht – andererseits sind gerade sie darauf angewiesen, dass heute die notwendigen Investitionen in unseren künftigen Wohlstand getätigt werden. Für derartige Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen, auch wenn sich in solchen Fragen niemand seiner Sache vollständig sicher sein kann, ist eine der Aufgaben von Politik.

 

Was wünschst Du Dir für die politische Kultur in Deutschland?

 

Eine Mehrheit der Deutschen hat laut repräsentativen Umfragen das Gefühl, ihre politische Meinung nicht mehr frei äußern zu können. Das ist ein großes Problem für unsere politische Kultur. Ich würde mir daher wünschen, dass wir in der politischen Debatte – egal, ob sie in der Politik selbst, in den Medien oder in der Gesellschaft geführt wird – entspannter auf Meinungen reagieren, die uns nicht gefallen. Es schadet dem demokratischen Diskurs, wenn manche gleich persönliche Konsequenzen fordern, nur weil jemand eine bestimmte politische Meinung hat. Die USA sind ein warnendes Beispiel dafür, wohin Cancel Culture und immer weitergehende politische Polarisierung führen.


Helmer Krane (Jahrgang 2010)

Bundesvorstand, stellvertretender Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein

FDP

Wie kam es dazu, dass Du Dich politisch engagierst?

 

Mein ehrenamtliches politisches Engagement ist ein Danke an die Gesellschaft. Menschen – nicht nur in meiner Familie – haben mir als Kind in einer schwierigen familiären Lage geholfen.

 

Was bedeutet »Verantwortung« für Dich im politischen Kontext?

 

Verantwortung in der Politik heißt für mich: immer wissen, dass es um etwas Größeres als um einen selbst geht. Manchmal bedeutet das, für etwas einzustehen, das man für richtig hält, obwohl es politisch schwerer durchzustehen ist. Es kann auch bedeuten, jemand anderem den Vortritt zu lassen, obwohl man hart für etwas gearbeitet hat. Das erfordert Selbstreflexion, Ehrlichkeit mit sich selbst. Ich spreche in solchen Momenten mit Freundinnen und Freunden. Am Ende trage ich diese Entscheidungen aber mit mir selbst aus – das kann einem niemand abnehmen.

 

Welche politischen Werte treiben Dich an?

 

Mich treibt an, dass Freiheit nicht nur verteidigt werden muss, sondern wir mehr davon brauchen – dort, wo es kaum soziale Mobilität gibt, wo Ideen und Initiative behindert werden, wo es Menschenfeindlichkeit gibt. Da will ich nicht nur die liberale Demokratie gegen Autoritäre verteidigen. Ich möchte mehr und bessere Freiheit für alle. Die Übernahme von Verantwortung geht auch immer mit mehr Realismus und Ernüchterung einher. Das muss man als Stärke nutzen und sich den kritischen Blick bewahren.

 

Wie beeinflusst Deine juristische Ausbildung Deine politische Arbeit?

 

Ich könnte jetzt sagen, dass die juristische Ausbildung hilft, Probleme zu strukturieren und so weiter. Aber Politik braucht auch einen Blick über den Tellerrand. Jura kann einen leicht in die sanfte Umarmung des Strukturkonservatismus locken: Man hält an dem fest, was bekannt und heimelig ist, selbst wenn das längst nicht mehr funktioniert. Dann werden gerade Juristen zum Problem. Raum für politische Diskussion in der Ausbildung gab es genug. Entscheidend ist für mich etwas anderes: dass gerade Juristinnen und Juristen die Prinzipien und den Wert des Rechtsstaats wirklich verinnerlichen. Nicht nur, um professionell zu arbeiten, sondern weil der Rechtsstaat heute stärker erklärt, verteidigt und gelebt werden muss als noch vor zehn Jahren.

 

Wie gehst Du mit Zielkonflikten um?

 

Das ist eine Einzelfallabwägung. Eine Partei erfordert Teamwork. Wenn mir ein Thema besonders wichtig ist, meine Partei aber eine andere Position hat, dann spare ich das Thema entweder aus oder mache deutlich, dass ich eine abweichende persönliche Meinung habe. Dass das möglich ist, spricht auch für eine gute Parteikultur. Im Zweifel muss man aber die Verantwortung dafür tragen, dass eine abweichende Meinung öffentlich negativ aufgegriffen wird. Diese Verantwortung ist immer höchstpersönlich. Im Beruf wird Verantwortung leichter diffundiert.

 

Welche Bedeutung hat das Thema »Verantwortung« in politischen Debatten aus Deiner Sicht?

 

Grundsätzlich haben wir in Deutschland immer noch eine gute Debattenkultur – jedenfalls bei den Parteien abseits der extremen Ränder. Der größte Mangel an Verantwortung herrscht doch nicht in der Debattenführung, sondern im Handeln. Wo bleibt die Verantwortung, endlich für Deutschland notwendige Reformen anzufassen und durchzustehen?

 

Was braucht es aus Deiner Sicht, um in der Politik langfristig Verantwortung übernehmen zu können?

 

Initiative und Wille, den Unterschied zu machen. Ein Interesse an Menschen, Unabhängigkeit und eine innere Überzeugung und Haltung, die einen auch durch Frustphasen trägt.

 

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dein politisches Engagement?

 

Meist mit viel Nachsicht und Wertschätzung. Danke!

 

Gibt es ein Ereignis, das Dich in Deinem politischen Verantwortungsverständnis besonders geprägt hat?

 

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat für mich vieles in einen neuen Zusammenhang gestellt. Ich glaube, schon vorher gewusst zu haben, wofür ich stehe. Doch erst seit 2022 weiß ich wirklich um die Dringlichkeit und Notwendigkeit. Ich bin heute noch entschlossener und nachdrücklicher ein Liberaler.

 

Was ist das Mutigste, das Du im Rahmen Deines politischen Engagements entschieden oder vertreten hast?

 

Ich habe prominente Parteimitglieder öffentlich an ihre Verantwortung erinnert und dafür plädiert, Resilienztraining an Schulen auch praktisch zu machen – inklusive der Möglichkeit, freiwillig den Umgang mit einer Waffe auszuprobieren. Beides hat mir nicht nur Freude gemacht, aber ich habe es jeweils für richtig gehalten.

 

Welche Rolle spielt Integrität in der Ausübung politischer Verantwortung für Dich?

 

Hier besteht die Gefahr, sehr hoch in das moralische Regal zu greifen und dem am Ende nicht gerecht zu werden. Integrität ist wichtig, auch weil es nicht nur um einen selbst geht, sondern auch um das Ansehen unserer Demokratie und Institutionen. Wir sollten alle mehr Integrität einfordern. Dazu gehört gute Führungskultur. Fehlverhalten und Verstöße gegen vereinbarte Werte und Prinzipien werden viel zu oft toleriert und nicht einmal diskutiert.

 

Was wünschst Du Dir für die politische Kultur in Deutschland?

 

Dass wir die Fähigkeit zum guten Kompromiss stärken. Die Parteien der politischen Mitte müssen es schaffen, trotz komplizierter Mehrheiten Veränderungen zu erreichen. Dazu gehört, dem anderen mal einen Sieg zu gönnen. Zu viel politisches Kapital wird in Stillstand versenkt.


Julius Ohletz (Jahrgang 2019)

Praktikant bei ProjectTogether

Was ist ProjectTogether und welche Aufgaben übernimmst Du dort?

 

ProjectTogether ist eine gemeinnützige Organisation, die breite Allianzen zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen aufbaut und koordiniert. Wir bringen Akteur:innen durch unsere Arbeit gemeinsam ins Tun, die sonst nicht an einem Strang ziehen würden. Nach dem Examen hatte ich das Bedürfnis, an aktuellen gesellschaftlichen Themen zu arbeiten. ProjectTogether ist dafür die beste Adresse.

 

Als Jurist:in wird man darauf trainiert, bestehende Regeln zu kennen und anzuwenden. Bei ProjectTogether haben wir die Haltung, dass Recht veränderbar ist. Mit dieser gewissen Kühnheit auf gesellschaftliche Herausforderungen zu blicken, war für mich neu – sie macht aber frei im Denken. Häufig haben Akteure die gleichen Ziele oder können zumindest 80 Prozent des Weges gemeinsam gehen. Unsere Rolle ist es, den Raum zu schaffen, indem sie miteinander sprechen und Vertrauen zueinander aufbauen. Wir machen das in mehreren Missionen im Bereich von Nachhaltigkeit, Integration und Demokratiestärkung.

 

Warum ist diese Arbeit so wichtig?

 

Die großen Herausforderungen – Klimawandel, Fachkräftemangel, Verwaltungsmodernisierung – sind so groß, dass sie niemand allein lösen kann. Sie werden oft auf der Bundesebene verhandelt, ihre Umsetzung entscheidet sich jedoch vor Ort. Dort zeigt sich, ob der Staat handlungsfähig ist. Gelingt es einer Kommune, neue Kitaplätze zu schaffen, ein Integrationsprojekt zu etablieren oder ein lokales Klimaschutzprogramm umzusetzen, stärkt das direkt das Vertrauen der Bürger:innen in die Demokratie.

 

Mein Schwerpunkt lag in den Missionen »Re:Form« und »Allianz der Gestalter:innen«. Re:Form ist ein überregionales Netzwerk aus Verwaltungsmitarbeitenden – von Sachbearbeitenden in Rathäusern bis zu Abteilungsleitungen in Bundesministerien. Besonders eindrücklich war für mich die Teilnahme am fünften Forum für den Staat von morgen kurz nach der Bundestagswahl: Verwaltungsmitarbeitende aus ganz Deutschland diskutierten mit einer Mischung aus Pragmatismus und Idealismus, wie der öffentliche Sektor moderner, handlungsfähiger und bürgernäher werden kann. Das Ambitionslevel der Ideen, die diese Beat:innen und Verwaltungsangestellten für ihren Arbeitgeber und zugleich ihren Staat haben, hat mich fasziniert. Foren wie diese sind wichtig, um Bewegungen anzuschieben. Gerade in der Verwaltung, in die viele mit großen Idealen starten und sich dann dort allein damit fühlen.

 

Die Allianz der Gestalter:innen bringt Menschen zusammen, die in ihrer Region bereits sichtbare Veränderungen angestoßen haben: Vereine, kommunale Einrichtungen, engagierte Privatpersonen, die ihre Region lebenswert und handlungsfähig halten möchten. Die Allianz schafft dafür Räume, in denen Erfahrungsaustausch und gemeinsames Arbeiten der Gestalter:innen bundesweit möglich werden. Außerdem veranstaltet sie das Format »Werkstatt der Mutigen«, in dem regionale Gestalter:innen mit Bundespolitiker:innen parteiübergreifend an Lösungen arbeiten, die vor Ort wirken.

 

Wie hat sich Dein Blick auf Politik verändert?

 

Ob Demokratie als legitim betrachtet wird, hängt davon ab, ob unser Staat als handlungsfähig erlebt wird. Das fängt im Alltag an. Bei jeder Interaktion mit Behörden denke ich jetzt: Wie könnte dieser Prozess für beide Seiten effizienter gestaltet werden?

 

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dein politisches Engagement?

 

Staatsreform ist ein großes Thema, das erstmal abstrakt klingt. Meine Arbeit konnten sich viele nicht vorstellen. Es braucht Energie, jedes Mal zu erklären, was man macht. Es braucht auch Energie, über die Themen von der Arbeit privat zu diskutieren, denn oft ist man der Einzige, der den Beschwerden über Staat und Bürokratie eine Vision für die Zukunft entgegenstellt. Ich war oft Projektionsfläche für nervige Erfahrungen, die mein Umfeld zum Beispiel in der Bürokratie gemacht hat. Irgendwie ist das aber auch richtig, denn unsere Arbeit betrifft ja den Alltag von Menschen.


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