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Zwischen Examen und Ensemble

Maximilian Groß: Gelebter Law School-Spirit im Orchester


Maximilian Gross ist Student des Jahrgangs 2020 und leitet das Gerd Bucerius Kammerorchester sowohl organisatorisch als auch künstlerisch. Im August haben wir ihn für ein Gespräch getroffen.


Ich würde gerne damit anfangen, zu Deinen musikalischen Ursprüngen selbst zurückzuschauen. Hattest Du schon immer eine Leidenschaft für Musik?

 

Ich komme tatsächlich nicht aus einer Musikerfamilie. Meine musikalische Reise begann in Sevilla, als ich vier Jahre alt war. Wir waren in einem Hotel und auf einem großen Bildschirm liefen dort die Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker. Ich war ganz fasziniert davon, ohne es wirklich zu verstehen. Für mich war völlig klar, ich will so etwas unbedingt auch machen. Diese Bilder und diese Klänge haben mich magisch angezogen. Und kurz darauf habe ich angefangen, Cello zu lernen.

 

Hast Du Künstler, die Vorbilder für Dich sind? Oder bestimmte Musikstücke, von denen Du Dich inspiriert fühlst?

 

Definitiv. Wenn wir bei den Musikstücken anfangen, wäre es das Gesamtwerk von Gustav Mahler. Gerade die 10. Sinfonie ist ein unglaubliches Musikwerk, zu dem ich immer wieder zurückkehre. Und auch Mahlers Vita, als Komponist und als Dirigent gleichzeitig aktiv zu sein, fasziniert mich wahnsinnig.

 

Kannst Du sagen, was gute Musik für Dich ausmacht?

 

Das ist eine extrem gute Frage. Ich persönlich versuche, in Bezug auf Musik so offen zu sein wie irgendwie möglich. Für mich ist wichtig, zu spüren, dass etwas ausgedrückt werden soll. Ich mag Musik, die mit einer Vision gemacht ist. Egal, ob es jetzt Taylor Swift oder Gustav Mahler ist.

 

Im Jahr 2020 hast Du Dein Jurastudium hier begonnen. War Musik von Anfang an für Dich ein Thema, das auf jeden Fall noch Platz neben dem Studium finden sollte?

 

Es war für mich auf jeden Fall klar, dass Musik nach wie vor einen hohen Stellenwert in meinem Leben haben würde. Ich habe mich dann mit Alexandra Hufnagel zusammengeschlossen, die auch passionierte Musikerin ist. Wir waren der Überzeugung, dass ein Orchester der Law School guttut, und haben einfach mal angefangen, ein bisschen herumzufragen, wer hier denn auch ein Instrument spielt. Mit Unterstützung des Studium Generale haben wir dann ein paar erste Proben im ganz kleinen Rahmen organisiert. Das war der Anfang von allem.

 

Und wie ist es dann genau dazu gekommen, dass Du erst die organisatorische und dann auch die künstlerische Leitung des Orchesters übernommen hast?

 

Um die Organisation des Orchesters kümmere ich mich seit der Gründung gemeinsam mit Alexandra Hufnagel. Schon recht bald nach der Gründung habe ich das Orchester an einigen Anlässen dann auch dirigiert, zum Beispiel bei der Uraufführung meiner Komposition „Splash!“ im Jahr 2022 oder beim Benefizkonzert für die Ukraine. Letztes Jahr wurde uns als Ensemble klar, dass wir einen neuen kreativen Impuls brauchen, und wir haben uns dann dazu entschieden, es vollumfänglich mit einer studentischen Leitung zu probieren. Mitte 2023 habe ich daraufhin die künstlerische Leitung des Orchesters übernommen, erstmal interimsmäßig und dann Anfang 2024 dauerhaft. Durch großen Zuwachs aus den jüngeren Jahrgängen konnten wir dann auch programmatisch neue Maßstäbe setzen und berühmte Orchesterwerke an die Law School bringen. Gemessen an der Stimmung innerhalb des Orchesters und an unserem immer noch starken Mitgliederzufluss glaube ich, dass das ganz gut funktioniert hat.

 



Wie fühlt es sich an, eigene Kompositionen mit Deinem Orchester aufführen und proben zu können?

 

Ich würde sagen, vor der ersten Probe fühlt es sich furchtbar beängstigend an. Man kommt mit der Partitur an und weiß nicht, ob die Idee Zuspruch findet. Aber wenn man dann sieht, dass die Vision, die man zu Papier gebracht hat, funktioniert, ist das eine wahnsinnige Erfahrung. Das dann in einem Konzert auch zu spielen und einem größeren Publikum zu präsentieren, ist einfach unglaublich.

 

Was sind spontan Deine ersten Assoziationen zum Gerd Bucerius Kammerorchester?

 

Jenseits der Musik würde mir das Wort Gemeinschaft einfallen. Für mich ist das gelebter Law School-Spirit. Leute aus allen Jahrgängen kommen zusammen und stellen etwas auf die Beine.

 

Wie läuft es im Orchester denn eigentlich vor einem Auftritt und bei den Proben ab?

 

Wir haben eine relativ unübliche Besetzung: An manchen Instrumenten fehlt es, in anderen Instrumentengruppen sind wir sehr gut besetzt… Daher bearbeite ich vor den Probephasen die Stücke so, dass sie für uns spielbar sind. Dann steigen wir in die Proben ein. Wir haben auch meistens noch ein intensiveres Probewochenende oder einen Probetag. Und dann gibt es eine Anspielprobe am Tag des Konzerts.

 

Und gibt es bei diesem Ablauf manchmal auch Unstimmigkeiten? Wie gehst Du damit um, wenn nicht alle Mitglieder mit dem gleichen Elan bei der Sache sind?

 

Ich muss sagen, die Motivation im Orchester insgesamt ist hoch. Natürlich haben wir ein bisschen damit zu kämpfen, dass das Law School-Studium auch sehr anstrengend ist. Ich habe mir aber vorgenommen und denke, dass das auch eine Besonderheit an diesem Orchester ist, manche Dinge etwas entspannter zu sehen. Das heißt, wir haben wegen Parallelveranstaltungen meistens keine volle Anwesenheit bei den Proben. Manchmal hat man erst bei der Generalprobe das erste Mal alle Leute zusammen. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Leute dann auch gut vorbereitet sind. Bisher hat es dann beim Konzert aber immer geklappt!

 

Dann noch einmal ein Blick in die Zukunft. Was steht als nächstes an? Was ist Deine Vision?

 

Erstmal möchte ich, dass wir ein Ort des Austauschs und eine starke Gemeinschaft bleiben. Mit anderen Menschen zu musizieren, das ist wahnsinnig verbindend und das möchte ich auch weiterhin so beibehalten. Ich hoffe natürlich, dass wir noch viele großartige Konzerte geben und sowohl die Law School als auch mittelfristig den externen Raum begeistern können.


Megan Brooks (Jg. 2022)


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