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Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Der Jahrgang 2020 stellt sich vor



Dieser Frage widmet Richard David Precht ein ganzes Buch. Während sich die zweite Frage schnell mit einem Blick in die Jahrgangsliste beantworten lässt, beschäftigt die Frage nach der Identität Menschen auf der ganzen Welt und viele ein Leben lang. Genau die richtige Frage, um sie einem angehenden Juristen zu stellen. Juristinnen und Juristen sind schließlich allgemein bekannt für ihre klaren und unkomplizierten Antworten („es kommt darauf an“, „das kann nur der EuGH entscheiden“, …). Umso klüger ist es, einen Pimpf mit stolzen 22 Jahren Lebenserfahrung diese existenzielle Frage zu stellen – und zwar nicht nur für sich selbst, sondern gleich 117 Mal. Wenn schon, denn schon: Wer oder was sind wir eigentlich?

 

Lieblingskind? Doppelt hält besser! Was aus dem Volksmund gesprochen kaum nach mehr als einer Bauernweisheit klingt, hat Herrn Weizmann richtig bluten lassen. Unsere Akademische Feier haben wir nicht nur, ein sondern gleich zwei Mal in der Laeiszhalle begangen. Zum Vergleich: Unsere Nachfolger hatten nur einmal das Vergnügen und auch „nur“ im Auditorium…

 

Sorgenkind. Warum also doppelt? Das erste Mal im Herbst 2020 endete schon wenige Minuten vor Beginn abrupt, als just in diesen Minuten eine Corona-Infektion bei einem Mitglied unseres Jahrgangs festgestellt wurde. Am nächsten Tag stand Herr Landgrebe auf dem Campus und hat uns persönlich getestet. Immatrikuliert wurden wir dann im Jahr darauf, eine Woche nach dem Jahrgang 2021. Verspätet, aber pompös.

 

Musterschüler? Aufräumen ist doof. Außerdem: Wenn's hoch her geht, wer hat da noch die Muße für solche Petitessen? So passiert es Partyministerinnen und Partyministern zuweilen, dass man ob des gelungenen Trinkgelages – 4 Punkte sind schließlich auch eine attraktive Note, das darf dann auch würdig zelebriert werden – vergisst, dass auf dem Rasen eigentlich Grashalme und keine Kronkorken wachsen und Exkremente für gewöhnlich in die Toilette, nicht daneben gehören. Wenn man beim Facilitymanagement aber fragt, welche Fehltritte unser Partyministerium sich je geleistet hat, so kann man diese an keiner Hand abzählen. Böse Zungen mögen nun behaupten, das liege Dara, dass unser PM gar keine Campusparty eigenständig organisiert haben müsse.

 

Vorbildlich. Gegen eine gute Party ist wenig einzuwenden. Klar, die Gesellschaft bringt der Alkoholrausch kaum voran, und ob wir damit zu den Change Agents – wie unser Präsident sie in uns erkennen möchte – werden, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Oder man macht es besser: Mitglieder unseres Jahrgangs haben die „Augen auf Kiez!“-Hochschulgruppe gegründet und setzen sich seither mit viel Leidenschaft für wohnungslose und vom Leben auf der Straße gezeichnete Hamburgerinnen und Hamburger ein. Dabei schaffen sie es nicht nur, eindrucksvolle Beiträge und Spenden für Hilfsorganisationen wie etwa GoBanyo oder Hanseatic Help zusammenzubringen, sondern bereichern den Campus auch um Events mit Glühwein und sonstigen Annehmlichkeiten für den guten Zweck. Daneben schaffen sie das Gesprächsthema für einige Wochen: die Preise bei der Tombola. Wurdet ihr schonmal von Professor Kämmerer durch die HafenCity geführt oder habt es Euch auf Professor Thorns Dachterrasse bei einem Aperitif gutgehen lassen?

 

Too cool for school? Wer zu viel Zeit auf Law School-Memepages verbringt, könnte meinen, wir hätten auf dem Campus nicht nur Freunde. Bedenkt man freilich, was unter Geschwistern goldene Regel ist, weiß man das als Ausdruck bestialischer Zuneigung einzuordnen: Was sich liebt, das neckt sich eben. Das haben uns die vermeintlichen Hater längst bewiesen, indem sie uns trotz unserer furchtbar schief gesungenen und nur mäßig originellen digitalen Jahrgangsvorstellung herzlich aufgenommen haben.

 

Talentiert. Es gibt eine ganz besondere Adelung, die sich anders als konventionelle Adelstitel und Ritterschläge auch heute noch gut sehen lassen kann. Mitglieder unseres Jahrgangs haben das Gerd-Bucerius-Kammerorchester gegründet und leiten es bis heute. Für die eigenen Arrangements gab es dazu neben viel Zuspruch auch noch eine Auszeichnung von der Autorität schlechthin an unserer Hochschule, nicht nur, aber auch für musikalische Fragen: einen Applaus mit Verneigung und Lob von Professor Schmidt. Auch journalistisch und sprachlich haben wir etwas anzubieten: Wer bisher aufmerksam gelesen hat, erkennt problemlos, dass es nicht um diesen Beitrag geht, sondern um eine Kommilitonin, die für die ZEIT schreibt. Im Jahr unseres Studienbeginns wurde außerdem ein Kommilitone Deutscher Meister im Schach. Viele Spitzenleistungen, mit denen sich auch der Rest von uns gerne schmückt.

 

Natürlich gäbe es noch viel mehr zu erzählen: von einem Sieg beim Vis Moot über Grillschlachten bis hin zu Nachwuchs. Viel zu viel für zwei Seiten. Grund genug, uns persönlich näher kennenzulernen. Vorzugsweise, wenn Ihr schon in leitender Position in Großkanzleien seid, bei sechsstelligem Einstiegsgehalt. Oder einfach so auf dem Campus. So oder so – wir freuen uns drauf!


Philipp Braun (Jg. 2020)


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