New Work wird bleiben

People Experience als wichtiges Bindeglied zwischen Digitalisierung und Fachkräftemangel



Schöne neue Arbeitswelt. So kann man das beschreiben, was insbesondere seit 2020 auf unglaublich rasante Art und Weise passiert ist. Die Digitalisierung und der soziodemografische Wandel waren und sind Treiber einer Transformation des Arbeitsmarktes. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat das Tempo des Wandels noch einmal um ein Vielfaches beschleunigt. Das Thema New Work und seine rasant steigende Relevanz begleite ich seit fünf Jahren als General Counsel / Executive Director der ATOSS Software AG, einem im TecDAX gelisteten Spezialisten für Workforce-Managementlösungen. Hier habe ich die Möglichkeit, dieses Thema aktiv mitzugestalten und dabei vielfältige Einblicke in die verschiedenen Ansätze und Bedürfnisse unserer Kunden und ihrer Mitarbeitenden zu erhalten. Eines wird mir hierbei immer wieder deutlich: New Work ist gekommen, um zu bleiben!

 

Nehmen wir ein Beispiel, das auch bei uns im Unternehmen gelebte Praxis ist: Konzepte wie Work from Home und Workation sind seit der Pandemie feste Bestandteile unserer Unternehmenskultur und nicht mehr wegzudenken. Die meisten Unternehmen sind dabei zu hybriden Modellen übergegangen, die selbstredend immense Vorteile für Mitarbeitende mit sich bringen.

 

Ist New Work auch für Blue Collar möglich?

 

Mehr Flexibilität hinsichtlich Kinderbetreuung oder privaten Terminen sind nicht mehr nur nice to have, sondern gelebter Standard. Oder anders gesagt: Wann, wo und wie wir arbeiten, hat heute einen enorm hohen Stellenwert? Darauf müssen sich Unternehmen einlassen. Was aber ist mit denjenigen, die an ihren Arbeitsplatz gebunden sind? Für die sogenannte Blue Dollar kommt Work from Home beispielsweise nicht in Frage. Sie müssen in der Produktionshalle vor Ort sein, im Geschäft beraten oder die Patienten im Krankenhaus betreuen. Diese Mitarbeitergruppen können über hybride Arbeit nur müde lächeln. Doch dürfen auch sie nicht vernachlässigt werden. Es darf keine Zweiklassengesellschaft zwischen White und Blue Dollar entstehen – und das muss es auch nicht. Denn New Work funktioniert durch smarte Zeiterfassungs- und Personaleinsatzplanungssysteme auch für Frontliner.

 

Bessere Arbeitsbedingungen und Planbarkeit im Fokus der Gesellschaft

 

Bessere Arbeitsbedingungen, mehr Flexibilität und mehr Selbstverantwortung – all das steht im Fokus der Gesellschaft und beeinflusst Politik und Gesetzgebung. Gewerkschaften, Arbeitnehmerorganisationen und Unternehmen geht es längt nicht mehr nur um monetäre Entwicklungen, sondern auch darum, die Arbeitsbedingungen im Sinne von New Work zu verbessern. Ein gutes Beispiel dafür sind die Entwicklungen im Gesundheitswesen. Immer mehr Einrichtungen machen mit Entlastungstarifverträgen Belastungssituationen, also das Arbeiten in unterbesetzten Schichten, sichtbar. Ein Ausgleich dafür wird durch entsprechende Entlastung, beispielsweise mehr Freizeit generiert.

 

Einer unserer Kunden hat hier Pionierarbeit geleistet und spricht von einem „Wetterbericht für die Mitarbeitenden“. Das Workforce-Managementsystem lernt aus Vergangeheitsdaten, wann und wie die Mitarbeitenden in Belastungssituationen gekommen sind. Diese Informationen werden genutzt, um künftige Belastungen zu antizipieren und bei der Planung bereits proaktiv zu agieren. Hier kommt dann auch – das zweite Zukunftsthema dieser Tage – immer mehr Artificial Intelligence ins Spiel. Damit wird die Zufriedenheit der Mitarbeitenden deutlich gesteigert und die Kranken-, Ausfall- und Kündigungsquoten reduziert.



Fachkräftemangel zwingt Unternehmen zum Handeln

 

Ein zweiter Einflussfaktor, den ich immer wieder wahrnehme, ist das Thema Fachkräftemangel. Unternehmen, die Fachkräfte gewinnen und begeistern wollen, müssen für ein attraktives und gesundes Arbeitsumfeld sorgen und den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Die People Experience, egal ob für White Dollar oder Blue Dollar, wird zum entscheidenden Abgrenzungskriterium für Unternehmen. Was heißt das konkret? Viele unserer Kunden beispielsweise geben ihren Mitarbeitenden die Möglichkeit, Arbeitszeiten je nach Lebenslage zu reduzieren oder zu erhöhen, aber auch den monetären Weihnachtsbonus beispielsweise in mehr Freizeit umzuwandeln. Ein solches Maß an Selbstbestimmung ist ein Paradebeispiel für eine positive People Experience.

 

People Experience entscheidet, wo Fachkräfte arbeiten wollen

 

Das ist nur eines von vielen Beispielen, wie Unternehmen New Work für sich nutzbar machen können, um für alle Mitarbeitenden eine bessere Arbeitswelt zu schaffen. Worum es dabei geht? Konsequente Flexibilisierung entlang der Lebensphasen, um eine digitale Arbeitswelt für alle Mitarbeitenden zu schaffen, sodass beispielsweise über Self Services Urlaube auch von zuhause aus beantragt, Schichten getauscht oder Arbeitszeitwünsche abgegeben werden können. Natürlich lassen immer mehr gesetzliche Regulation und gleichzeitig auch der notwendige und geforderte Drang zur Flexibilisierung, Selbstbestimmung und Autonomie die Komplexität für Unternehmen steigert. Diese kann am Ende nur mit einem modernen Wirkforce-Management abgebildet werden.

 

Für Organisationen ist es erfolgsentscheidend, in die People Experience zu investieren, um New Work für wirklich alle Mitarbeitenden erlebbar zu machen. Heute mehr denn je entscheidet das darüber, wo Fachkräfte arbeiten wollen. Flexibilität ist meist wichtiger als monetäre Anreize. Das erlebe ich immer wieder. Und wenn das den Unternehmen gelingt, dann können wirklich alle Mitarbeitenden sagen: Schöne neue Arbeitswelt.


Maximilian Hoffmann (Promotion 2012)


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