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Die Macht der Netzwerke


von Katharina E. Gangnus 


Der juristische Arbeitsalltag, sei er auf Kanzlei – oder Unternehmensseite, in der Verwaltung oder in der Politik ist vielfältig und herausfordernd. Eine mindestens ebenso große Herausforderung scheint es aber für viele Kolleg:innen darzustellen, ein nachhaltiges und belastbares Netzwerk aufzubauen. Denn auf den Social-Media Plattformen sind wir heutzutage privat gut und schnell miteinander vernetzt, die Hemmschwelle ist niedrig, der persönliche Kontakt dagegen meist rar. Im beruflichen Umfeld kommt es aber oft genau darauf an und deshalb sollte der Aufbau eines profunden Netzwerks anders, wesentlich strategischer und vor allem früh in der Karriere angegangen werden. Oft werde ich als juristische Personalberaterin nach meinen Tipps für diesen Netzwerkaufbau gefragt und die Top 3 möchte ich Euch gerne heute zusammenstellen:

  1. Motivation oder auch „Wie schaffe ich eine gemeinsame Ebene“: Grundlegend ist, sich im Vorfeld ein wenig über die Person zu informieren, mit der man gerne in Kontakt treten möchte. Gerade die beruflichen Online-Netzwerke machen diese Vorbereitung leicht, wenn man jemanden gar nicht kennt. Welche Gemeinsamkeiten gibt es evt. im Werdegang bezogen auf Studium, berufliche Stationen oder Fortbildungen und Interessen? Oder haben wir sogar gemeinsame Kontakte, die uns miteinander vernetzen könnten? Hatten wir bereits einmal miteinander Kontakt z.B. im Rahmen eines Mandats?
  2. Verbindlichkeit und Verlässlichkeit oder auch „Warum ein Follow-Up so wichtig ist“: Wenn Ihr einen Termin mit einem neuen Kontakt ausgemacht habt, sorgt dafür, diesen auch einzuhalten. Müsst Ihr absagen, tut das nicht so kurzfristig, dass sich das Gegenüber evt. schon auf dem Weg zum Treffen befindet. Und: Bei einer Absage Eurerseits ist es unerlässlich, dass der nächste Terminvorschlag ungefragt von Euch kommt und Ihr diesen dann auch definitiv einhalten könnt. Plant Eure Treffen zudem so, dass sich das Gegenüber nicht so vorkommt, als hättet Ihr ihn oder sie nur irgendwo dazwischengeschoben. Nehmt Euch Zeit für den Aufbau und die Pflege Eures Netzwerks – das Gegenüber tut es schließlich auch. Nach einem Treffen ist ein Follow-Up eine tolle Gelegenheit, an das Besprochene anzuknüpfen und den Kontakt weiter auszubauen. Das kann völlig unverbindlich nur ein Dank am nächsten Tag per Email für den netten Austausch sein oder Ihr greift einen konkreten Punkt aus dem Gespräch auf, der die Grundlage für einen weiteren und ggf. längerfristigen Austausch bildet. Hierzu empfehle ich immer, sich persönliche Notizen im Nachgang eines Gesprächs zu machen, sodass Ihr Euch an das Gegenüber auch dann noch erinnert, wenn Euer Treffen etwas zurückliegt und Ihr in der ferneren Zukunft auf diesen Kontakt mit einem Anliegen wieder zurückkommen möchtet.
  3. Authentizität oder auch „Weniger ist mehr“: Überlegt Euch im Vorfeld gut, wer für Euch aus welchem Grund persönlich spannend und beruflich von Nutzen sein könnte und geht nicht willkürlich auf jemanden zu. Das Bucerius Netzwerk ist dafür immer ein guter Anfang, hier finden sich viele Kontakte, auf die Ihr völlig ungezwungen und meist sogar auf „Du“-Ebene zugehen könnt. Gerade wenn Euch Smalltalk oder das Zugehen auf fremde Personen schwerfällt, ist ein authentisches Anliegen, ein ehrliches Interesse hier meist der Schlüssel, das grundlegend leichter zu machen. Letztlich ist nämlich nicht die Masse der Kontakte entscheidend, diese entwickelt sich im Laufe der Zeit fast von selbst, wenn Ihr ein paar für Euch persönlich wertvolle Schlüsselkontakte aufgebaut habt., die Euch dann wiederum weiteren spannenden und/oder wertvollen Kontakten vorstellen. Umgekehrt dürft und sollt Ihr das natürlich auch! Das schafft Ihr, indem Ihr Euch im Vorfeld klar macht, wo in Eurem Netzwerk aus welchem Grund ein bestimmter Kontakt wichtig wäre und was Ihr auch umgekehrt in diesem Kontext zu bieten habt. Wenn daher jemand auf Euch mit der Bitte nach einer Empfehlung zukommt, gilt das Gesagte einfach umgekehrt.

Ja, Netzwerke sind zeitintensiv. Sie erfordern ein starkes und authentisches Commitment. Sie bedingen erstmal viel Geben und in den meisten Fällen erst ein paar Schritte „further down the road“ Euer Nehmen. Aber sie bringen Euch in Eurer Karriere manchmal den entscheidenden Schritt voran und wenn man den Dreh erstmal raushat, macht es auch unglaublich viel Spaß, so viele spannende Persönlichkeiten kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen.



Katharina E. Gangnus ist Alumna des Jahrgangs 2004 und ist Gründerin und Managing Director der LWYRD Legal Recruitment GmbH. Zudem ist sie der Host des Podcasts „LWYRD! Der Podcast zum deutschen Rechtsmarkt“.



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